
Oft bekommen wir die Frage gestellt, ob man mit Software die Daten von defekten USB Sticks oder Speicherkarten retten kann.
Wenn wir von defekten Sticks oder Speicherkarten reden, dann gehen wir immer von Defekten der Hardware aus. Ein Stick oder eine Speicherkarte, bei der die Partitionsstruktur oder einzelne Dateien beschädigt sind, ist im technischen Sinne nicht defekt. Das Gerät selbst funktioniert noch problemlos, nur die logischen Strukturen weisen Fehler auf.
Hier kann mittels Software eine Datenrettung durchgeführt werden. Allerdings nur, wenn die Daten noch nicht wieder überschrieben wurden. Einmal überschriebene Daten sind unwiderruflich zerstört.
Übrigens: Verschiedene Anbieter preisen mit allerlei Werbeversprechen ihre Software zur “Datenrettung von Speicherkarten” an. Glauben Sie diesen Versprechungen nicht, es sind einfach nur leere Werbephrasen.
Eine Speicherkarte oder ein USB Stick ist aus Sicht einer Software ein ganz normales Laufwerk, wie zum Beispiel eine Festplatte. Für die Datenrettung ist nur wichtig, ob noch Zugriff auf die logische Ebene (also die Ebene, welche die Daten enthält) besteht, und mit welchem Filesystem (FAT, FAT32, NTFS, HFS etc.) das Laufwerk formatiert wurde.
Spezialsoftware, welche in der Lage ist, Daten aus defekten Flashspeichern auszulesen, benötigt in jedem Fall auch eine entsprechende Spezialhardware.
Häufig finden wir in Foren oder auf den bekannten Tipp-Plattformen (User stellen Fragen, und angebliche Experten beantworten sie) Anleitungen zur Datenrettung von defekten USB Sticks oder Speicherkarten, die einem beim Lesen bereits Bauchschmerzen verursachen.
So wird z. Bsp. häufig empfohlen, einen defekten Datenträger zu formatieren, bevor man versucht, die Daten zu retten.
Das wäre ungefähr so, als würden Sie bei ihrem Auto alle Fenster einschlagen, nur weil die Scheibenwaschanlage kein Wasser mehr hat.
Bei einem Format werden die FAT (File Allocation Tables) der Partition neu geschrieben. Es werden alle Einträge gelöscht. Wenn Sie Dateien retten möchten, deren Daten fragmentiert (über mehrere nicht zusammenhängende Cluster verteilt) sind, haben Sie in diesem Moment alle für eine Datenwiederherstellung notwendigen Informationen gelöscht. Fragmentierte Daten können nun nicht mehr gerettet werden.
Weitere Tipps besagen, dass man mittels “spezieller” Software, die angeblich vom Hersteller der Sticks stammt, die Sticks “zurück setzen” kann. Solche Software existiert nicht. Man findet zwar Verweise im Internet, Sie können sich aber fast sicher sein, dass zusammen mit der “Spezialsoftware” ein Trojaner auf Ihrem PC installiert wird.
Um es nochmals deutlich zu machen:
Ein USB Stick, dessen Hardware defekt ist, kann nicht mittels Software repariert werden, da diese Software in jedem Fall auf den Controller des Sticks zugreifen müsste. Was sie nicht kann, da der Defekt eben genau diesen Zugriff verhindert.
Selbstverständlich steht es jedem frei, eigene Versuche zur Rettung der Daten durchzuführen. Im Fall einer logischen Beschädigung, also wenn wirklich nur die Verzeichnisstruktur beschädigt ist, verspricht diese Methode sogar Erfolg. Sie können viel Geld sparen.
Sollten die Daten jedoch wirklich wichtig sein, dann suchen Sie bitte den Rat eines Fachmanns. Bitte denken Sie daran – der Sohn des Nachbarn zählt nicht zu den Fachleuten…